Mit Menschen sprechen und diese animieren, Hindernisse gemeinsam zu überwinden, das ist der Job von Melanie Honscheid. Sie arbeitet als Agile Coach bei RIO und sorgt dafür, dass die Prozesse innerhalb der Teams gut funktionieren und dass die Mitarbeiter ihr Bestes geben können.

Text: Silke Bauer

Was ein Agile Coach macht? Sie sei eine Art Mechanikerin mit Ölkanne, wenn es um das Zusammenspiel in Teams geht, sagt Melanie Honscheid mit einem Augenzwinkern. Die 26-Jährige hat ein duales Wirtschaftsingenieursstudium bei einem Automobilzulieferer absolviert und danach Station bei MAN gemacht. Damals ist ihr Einsatzgebiet noch der Einkauf. Doch während ihres Masterstudiums in Wirtschaftspsychologie beschließt sie, sich umzuorientieren. „Ich finde Menschen einfach spannender als Maschinen“, erzählt die Münchnerin. Seit 2019 ist sie im Team Agile Mastery bei RIO.

Nachfragerin

„Ich höre den Leuten zu und stelle Fragen“, erklärt Honscheid ihren Job. „Manchmal berate ich auch und helfe Mitarbeitern, mit neuen Situationen umzugehen.“ Generell gehe es darum, die Arbeit von Mitarbeitern zu erleichtern. Mit ihren Kolleginnen bildet sie dabei ein eingespieltes Team, in dem sich alle gut ergänzen. Während Honscheid zum Beispiel gern jeden Tag neue Aufgaben hat, gibt es Kolleginnen, die sich eher mit Routinearbeiten wohlfühlen. „Jede von uns hat ihre individuellen Stärken. Gemeinsam haben wir, dass wir alle sehr pragmatisch und analytisch sind. Und wir haben alle ein gutes Bauchgefühl.“ Honscheid und ihre Kolleginnen haben jeden Tag mit ganz unterschiedlichen RIO-Mitarbeitern aus allen Bereichen des Unternehmens zu tun, zum Beispiel aus dem Personalwesen oder dem Leadership Team. Wichtig sei, auf jeden Menschen individuell einzugehen.

Balancehalterin

Mit ganz unterschiedlichen Menschen sammelte Honscheid schon während ihres Studiums Erfahrungen, dabei hat sie während Aufenthalten in den USA und China zwei ganz unterschiedliche Kulturen kennengelernt. Bei einem Semester in der kalifornischen Küstenstadt Santa Barbara verbrachte sie gerne viel Zeit am Strand. „Ich habe das Studentenleben in vollen Zügen genossen“, erzählt sie mit einem Lächeln. Ein ganz anderes Erlebnis war ihr Aufenthalt in China, Honscheid lebte drei Monate lang in Shanghai und arbeitet mit chinesischen Mitarbeitern zusammen. „Das war sehr spannend und wirklich eine große Herausforderung“, erinnert sie sich. „Offen geäußerte Kritik gilt schnell als Affront.“ Honscheid musste lernen, wie man Feedback gibt, ohne dass der Mensch gegenüber an Ansehen verliert. „Dass jemand nicht sein Gesicht verliert, spielt in asiatischen Ländern eine große Rolle, das musste ich mit meiner europäischen Perspektive erst einmal lernen.“ Honscheid liebt es, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen. „Die Kunst ist, ein Meeting so zu gestalten, dass jede Besonderheit der Teilnehmer von allen akzeptiert wird und nicht zu Streit führt“, erklärt sie. Zu Beginn eines Projekts müsse man es schaffen, dass es zwischen den Beteiligten auch auf der zwischenmenschlichen Ebene funktioniert, so Honscheid: „Nur so kann man überhaupt erfolgreich sein.“

Kampfsportlerin

Mit Menschen arbeitet Honscheid nicht erst, seit es ihr Beruf ist. Sie war schon vor ihrem Studium in der Jugendarbeit aktiv, zunächst in einer Pfarrei, seit ein paar Jahren engagiert sie sich in der Katholischen Jungen Gemeinde. Ob Gruppenstunden oder Fahrten – „ich habe mich schon immer darum gekümmert, dass Menschen zusammenkommen und eine schöne Zeit miteinander haben.“ Früher hat die Münchnerin viel Kampfsport gemacht – erst Taekwondo, dann Mixed Martial Arts und Kickboxen. „Das musste leider alles dem Studium weichen“, erzählt sie. Und jetzt, wo das Studium vorbei ist? Sie habe den richtigen Sport für einen neuen Einstieg noch nicht gefunden. Dafür hat sie ein neues Hobby: Seit zwei Jahren fährt sie Motorrad. Überdies hat Honscheid eine kuriose Leidenschaft: In jedem Land, das sie bereist, kauft sie ein Schnapsglas als Souvenir. Ihr größter Schatz ist ein kleiner Holzbecher aus China, über ihn freut sie sich noch heute: „Ich habe ihn von einer Familie geschenkt bekommen, die im Hinterland von Shenzhen lebt. Sie hatten noch nie eine blonde Frau gesehen und wollten meine Haare anfassen. Und weil ich das zugelassen habe, haben sie mir zum Dank das Schnapsglas geschenkt.“

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