Wenn unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, wird es spannend. Damit jeder Mitarbeiter seine Sichtweise einbringen kann, gibt es bei Scania das Konzept Skill Capture. Dabei ist es die Aufgabe von Jean Jönsson, ihre Kollegen bei der Umsetzung von Diversität und Inklusion im Unternehmen zu unterstützen.

Text: Roman Scherer

Es lohnt sich, andere Perspektiven kennenzulernen, davon ist Jean Jönsson überzeugt. Die 32-Jährige arbeitet seit vier Jahren bei Scania als Spezialistin für die Themen Diversität und Inklusion. Bei Scania heißt dieser Themenbereich Skill Capture. „Mitarbeiter sollen die Möglichkeit haben, sich mit ihren jeweiligen Sichtweisen und Ideen einzubringen“, erklärt Jönsson. Niemand dürfe diskriminiert werden, schon gar nicht wegen Dingen, auf die er keinen Einfluss habe, zum Beispiel wegen des Geschlechts oder der ethnischen Herkunft. „Ich glaube, dass alle die gleichen Chancen haben sollen.“ Dazu gehört für sie auch, dass jeder so wahrgenommen wird, wie er wirklich ist und so auf seine ganz eigene Art im Unternehmen erfolgreich sein darf. Letztlich nütze das auch dem Unternehmen: „Zum einen steigert es unsere Attraktivität als Arbeitgeber, zum anderen ist die Performance diverser und inklusiver Teams besser, vor allem, wenn es um Innovationskraft geht.“

Inklusions-Expertin

Geboren in Uganda wächst Jönsson seit ihrem ersten Lebensjahr in einem kleinen Ort in Schweden auf. Mit 16 zieht sie mit ihrer Familie nach London, für den damaligen Teenager zunächst ein Kulturschock, für den sie rückblickend aber dankbar ist: „Es war eine tolle Erfahrung. Ich habe in London wirklich eine internationale Perspektive bekommen und Freunde aus aller Welt und unterschiedlichen Kulturen kennengelernt.“ Jönsson studiert Business Management mit Rechnungswesen im Hauptfach und macht ihren Bachelorabschluss. Ihren ersten Job bekommt sie im Bereich Financial Services. Als ihr Arbeitgeber nach Schweden expandiert und jemanden mit Sprachkenntnissen sucht, ergreift sie die Gelegenheit und kehrt zurück in ihre alte Heimat. Der erneute Kulturschock macht ihr zunächst zu schaffen: In einem kleinen Ort und ohne ihre Freunde und Familie wird sie nicht heimisch. Das bessert sich erst, als sie nach Stockholm geht. Davor macht sie an der Lund Universität noch ihren Masterabschluss in Unternehmens- und Finanzmanagement und arbeitet anschließend als Finanzberater. „Ich habe immer wieder festgestellt, dass viele Managementteams sehr homogen waren“, erklärt Jönsson. „Das brachte mich zum Nachdenken: Wie kann ich dazu beitragen, das zu ändern?“ Ihre Idee: Sie will dazu beitragen, dass mehr Frauen Führungspositionen in der Wirtschaft einnehmen. Jönsson macht sich selbständig und gründet SheSupp. Mit ihrem Start-up will sie einerseits Gründerinnen coachen, auf der anderen Seite will Jönsson Unternehmen sensibilisieren und dafür gewinnen, mehr Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. In dieser Rolle kommt sie 2018 auch mit Scania in Kontakt: „Eigentlich wollte ich das Unternehmen davon überzeugen, Gründerinnen in Teilzeit einzustellen“, erinnert sich Jönsson. Scania gefällt die Idee, das Unternehmen startet gleich mit Jönsson als Pilot-Angestellter. „Ich erkannte, dass ich bei Scania viel für mein Anliegen erreichen kann“, erinnert sich Jönsson. Als das Unternehmen ihr anbietet, in Vollzeit zu arbeiten, stimmt sie zu. „Jetzt ist meine Aufgabe, Scania mit Strategien, Werkzeugen und Trainingsangeboten im Bereich Diversität und Inklusion zu unterstützen.“

Pluralistin

Neben ihr gehört zum Team nur eine weitere Kollegin. „Wir arbeiten aber weltweit mit über hundert Botschaftern bei Scania zusammen. Die helfen uns dabei, unsere Strategien passgenau vor Ort umzusetzen“, so Jönsson. Auch mit Kollegen der anderen Marken in der TRATON GROUP findet ein reger Austausch statt. „Skill Capture spielt für die Gruppe insgesamt eine wichtige Rolle“, erklärt sie. Jede Marke nutze das Konzept so, wie es am besten zu ihren jeweiligen Anforderungen passt. „Wir tauschen uns regelmäßig zu Erfahrungen und Best Practices aus und entwickeln gemeinsame Prozesse. Zudem stimmen wir uns dazu ab, wie wir Abläufe in der gesamten TRATON GROUP verbessern können.“

Socializer

An internationalen Projekten mag Jönsson vor allem die unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven, die aufeinandertreffen. „Man lernt so viel über sich selbst, wenn man mit anderen Menschen interagiert.“ Bei Scania arbeite man ja mit einer schwedischen Perspektive. „Wenn wir dann mit Menschen in Brasilien, Südafrika, Malaysia oder woanders auf der Welt sprechen, lernen wir, Dinge auch anders zu sehen. Das empfinde ich als sehr bereichernd.“ Auch in ihrer Freizeit beschäftigt sich Jönsson am liebsten mit anderen Menschen: „Mein Mann und ich sind sehr gesellig, wir sind gerne Gastgeber und lieben es, Freunde zum Essen einzuladen.“ Darüber engagiert sich Jönsson in ihrer Kirchengemeinde, sie verbringt viel Zeit mit ehrenamtlicher Arbeit. Dazu gehören zum Beispiel Kleidersammlungen für Bedürftige, vor allem aber kümmert sie sich um neue Gemeindemitglieder, die sie beim Einleben unterstütz. Auch das ist für sie eine gute Gelegenheit, andere Menschen und ihre Perspektiven kennenzulernen.

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