2019 übergab MAN zwei vollelektrische Lion’s City E als Vorserienfahrzeuge an die Hamburger Verkehrsbetriebe Hamburger Hochbahn und VHH. Sieben Jahre später haben die Marken der TRATON-Gruppe nun einen weiteren Meilenstein erreicht: In jedem Bussegment bieten sie eine vollelektrische Lösung an – vom kompakten Stadtbus bis zum Fernreisebus. Und das auf vier Kontinenten. Für eine nachhaltigere Mobilität ist das ein weiterer wichtiger Schritt in die Zukunft.

„Dass wir heute in jedem Bussegment eine elektrische Lösung anbieten können, ist das Ergebnis vieler Jahre Entwicklungsarbeit bei unseren Marken“, sagt Birol Kilinc, der bei TRATON das Fahrzeugportfolio im Busbereich verantwortet. „Unsere Kunden können sich heute umfassend für elektrische Antriebe entscheiden – ob im Stadt-, Überland- oder Fernreiseverkehr.“

Vom Vorserien-eBus zum kompletten Elektro-Portfolio

  1. 2019

    Der Startpunkt

    MAN übergibt die ersten zwei vollelektrischen Lion’s City E als Vorserienfahrzeuge an die Hamburger Verkehrsbetriebe Hamburger Hochbahn und VHH.

  2. 2020/2021

    Von der Pilot- zur Serienfertigung

    Nach dem Serienstart des 12-Meter-MAN Lion's City E im Herbst 2020 geht 2021 auch die Gelenkversion in Serienproduktion. Gleichzeitig vollzieht sich in vielen europäischen Städten der Übergang von Erprobungsprojekten zum regulären Linienbetrieb elektrischer Stadtbusse.

  3. 2023

    Eine Plattform für jeden Markt

    Scania stellt seine batterieelektrische Bus-Plattform für seine Karosseriebauer-Partner vor. In Nordamerika führt IC Bus die nächste Generation der CE Series ein und baut damit auch sein Angebot batterieelektrischer Schulbusse weiter aus.

  4. 2025

    Ausbau über Segmente und Kontinente

    MAN erschließt mit dem Lion’s City 12 E LE das Überlandsegment und feiert mit dem Lion’s Coach 14 E auf der Busworld in Brüssel die Premiere seines ersten elektrischen Reisebusses. Scania zeigt sein erstes elektrisches Reisebus-Chassis und den Plug-in-Hybrid-Reisebus Irizar i6S, und in Brasilien geht der e-Volksbus 22L in Serie.

  5. 2026

    Ein komplettes elektrisches Busportfolio

    Die TRATON GROUP bietet nun in jedem Segment eine elektrische Lösung – vom Stadtbus bis zum Reisebus – über vier Marken und vier Kontinente.

„Wir bauen nicht nur Elektrobusse. Wir begleiten unsere Kunden auf dem gesamten Weg – von der ersten Machbarkeitsanalyse über die Ladeinfrastruktur bis hin zum täglichen Betrieb.“

Heinz Kiess Head of Product Marketing Bus, MAN

MAN: der Komplettbushersteller

Heinz Kiess verantwortet das Produktmarketing Bus bei MAN und hat den Wandel aus nächster Nähe erlebt. „Vor drei, vier Jahren war die häufigste Frage: ,Funktioniert das wirklich?‘“, erinnert er sich. „Heute fragen die Kunden: ,Wann können wir mehr bekommen?‘“ Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Rund 3.300 elektrische Busse hat MAN seit Markteinführung ausgeliefert, die mittlerweile mehr als 250 Millionen Kilometer zurückgelegt haben. Heute ist in Europa rund jeder zweite von MAN verkaufte Stadtbus elektrisch. Die Reichweitenangst, jahrelang das Standardargument der Skeptiker, hat sich durch die Erfahrungen in der Praxis aufgelöst: In München kommen Betreiber auf rund 350 Kilometer pro Ladung im täglichen Linienbetrieb. Bei einem Testlauf in Spanien waren es mehr als 500.

Doch MAN hat nicht beim Stadtbus aufgehört. Seit 2025 erschließt der Lion’s City 12 E LE das Überlandsegment – einen Markt, der lange als zu anspruchsvoll für rein elektrische Antriebe galt. Und mit dem Lion’s Coach 14 E, der auf der Busworld 2025 in Brüssel Weltpremiere feierte, wagte MAN den Sprung ins Reisebussegment. Seine Daten: bis zu 650 Kilometer Reichweite, aerodynamisch auf minimalen Luftwiderstand optimiert, Batteriepacks aus dem eigenen Werk in Nürnberg. „Der Coach ist die Königsdisziplin“, sagt Kiess. „Da reden die Kunden über Cent pro Kilometer. Sie wollen wissen, ob sich das rechnet. Und wir können ihnen zeigen, dass es das tut.“

Scania: der Plattform-Spezialist

Während MAN vor allem in Europa komplette Busse verkauft, die ab Werk direkt in den Einsatz gehen, verfolgt die schwedische Konzernmarke Scania einen völlig anderen Ansatz. Scania baut keine kompletten Busse, Scania baut Plattformen. „Wir liefern das elektrifizierte Chassis, und unsere Bodybuilder-Partner bauen den Bus, der zu ihrem Markt passt“, erklärt Carl-Johan Lööf, der bei Scania den Bereich Solution Strategy verantwortet. „Irizar in Spanien, Caetano in Portugal, Marcopolo in Brasilien, Higer in China: Sie alle arbeiten mit der gleichen technologischen Grundlage, aber jeder Bus sieht anders aus und erfüllt andere Anforderungen.“

Wie flexibel dieses System ist, zeigen die verschiedenen Fahrgestelle. Seit 2023 bietet Scania ein Elektro-Chassis mit niedrigem, stufenlosem Einstieg für den Stadt- und Überlandverkehr – zunächst mit zwei Achsen, seit April 2025 auch mit drei Achsen für mehr Fahrgäste. Und auf der Busworld 2025 zeigte das Unternehmen erstmals ein elektrisches Reisebus-Chassis, das der portugiesische Karosseriebauer Caetano zum fertigen Bus ausbaut. Es schafft bis zu 600 Kilometer Reichweite und lässt sich mit 325 Kilowatt vergleichsweise schnell laden.

Bemerkenswert war auch ein anderes Fahrzeug, das auf der Messe vorgestellt wurde: der Scania Irizar i6S Efficient, ein Plug-in-Hybrid-Reisebus (PHEV). Er hat einen Diesel plus E-Antrieb, kann aber auch bis zu 70 Kilometer rein elektrisch fahren. „Elektrifizierung ist nicht alles oder nichts“, erklärt Lööf. „In Märkten, in denen die Ladeinfrastruktur noch nicht steht – wie in Teilen Lateinamerikas, in Australien, auf vielen Überlandstrecken – brauchen die Kunden eine Lösung, die heute funktioniert. Der Hybrid-Reisebus ist diese Lösung.“ Die Nachfrage gibt ihm recht: Über 300 Kunden informierten sich auf der Busworld, und das Interesse kam nicht nur aus Europa.

„Wir liefern das elektrifizierte Chassis, und unsere Bodybuilder-Partner bauen den Bus, der zu ihrem Markt passt.“

Carl-Johan Lööf Head of Solution Strategy, Scania

Elektrisch auf vier Kontinenten

Denn Elektromobilität im Bus ist längst kein rein europäisches Thema mehr. In Lateinamerika hat Volkswagen Truck & Bus den e-Volksbus 22L auf die Straße gebracht – einen 13,2-Meter-Stadtbus, der seit Juni 2025 in Serie im Werk Resende produziert wird. Die ersten 260 Einheiten sind verkauft, die Praxistests in São Paulo und Salvador zeigen exzellente Ergebnisse bei Leistung und Reichweite. Ein symbolischer Meilenstein: Das 1.250.000ste im Werk Resende produzierte Fahrzeug war ein e-Volksbus.

In Nordamerika bedient IC Bus – die Bussparte der TRATON-Tochter International Motors – das Schulbus-Segment mit der CE Series Electric. Es ist ein Markt mit ganz eigenen Regeln: festgelegte Routen, planbare Ladezeiten, aber tausende unterschiedliche Schulbezirke mit unterschiedlichen Budgets und Anforderungen. IC Bus ergänzt das Fahrzeug deshalb mit einem umfassenden Beratungsangebot – von der Routensimulation bis zur Fördermittelberatung.

In Südafrika fertigt MAN den Lion’s Explorer E im Werk Olifantsfontein für den lokalen Markt. Außerhalb Europas bietet MAN – wie Scania – ebenfalls Chassis-Lösungen für lokale Karosseriebauer an. In Südostasien, dem Nahen Osten und Nordafrika sind Scania-Chassis mit lokalen Partnern im Einsatz. Die Weltkarte des TRATON-Busgeschäfts zeigt: Jede Region hat ihre eigene Geschwindigkeit, aber die Richtung ist überall dieselbe.

Der Vorteil eines Konzerns

So unterschiedlich MAN und Scania an den Markt gehen – der eine vor allem mit kompletten Bussen, der andere mit Chassis –, im Kern greifen beide auf dieselbe Technik zurück. Auf Zellebene nutzen sie die gleiche Technologie, produzieren die Batteriepacks aber getrennt: MAN im eigenen Werk in Nürnberg, Scania in Södertälje. „Das ist der eigentliche Konzernvorteil“, sagt Birol Kilinc. „Wir haben mit MAN und Scania zwei Marken, die unabhängig voneinander am Markt agieren, aber eine gemeinsame technologische Basis teilen. Das senkt die Kosten, beschleunigt die Entwicklung und gibt beiden die Freiheit, ihre eigenen Stärken auszuspielen.“

„Dass wir heute in jedem Bussegment eine elektrische Lösung anbieten können, ist das Ergebnis vieler Jahre Entwicklungsarbeit bei unseren Marken. Unsere Kunden können sich heute umfassend für elektrische Antriebe entscheiden – ob im Stadt-, Überland- oder Fernreiseverkehr.“

Birol Kilinc Expert Technology Strategy, TRATON

Diese gemeinsame Basis ist der eigentliche Vorteil des Konzerns – und sie reicht über Europa hinaus. Denn auch die beiden anderen TRATON-Busmarken bauen auf der Elektro-Technik des Konzerns auf, die zu großen Teilen aus dem Lkw-Bereich stammt: In Lateinamerika greift der e-Volksbus von Volkswagen Truck & Bus auf die Technik des elektrischen Lkw e-Delivery zurück, in Nordamerika baut IC Bus seinen elektrischen Schulbus auf einem bewährten Nutzfahrzeug-Chassis auf. So profitiert jede Marke von der Größe des Konzerns – und bleibt zugleich nah an ihrem Markt. Hinzu kommen gemeinsam entwickelte Antriebskomponenten, ein konzernübergreifendes Diagnosesystem und ein Service-Netzwerk in zahlreichen Ländern weltweit. Und wie bei den Trucks fließen die Kundenbedürfnisse in ein zentrales Konzern-Produktmanagement ein, das das Portfolio über alle Marken hinweg so abstimmt, dass sie einander ergänzen statt zu konkurrieren.

Dank der konzernweiten Kooperation gibt es sieben Jahre nach den ersten eBussen für Hamburg inzwischen in jedem Bussegment eine elektrische Antwort der TRATON GROUP. Möglich wurde das durch viele Jahre Entwicklungsarbeit sowie Tausende von Test- und Praxiskilometern. Entstanden ist ein vielfältiges Portfolio, das der Vielfalt der Märkte gerecht wird. Jeder elektrische Bus, der sich im Einsatz bewährt, stärkt zugleich das Vertrauen in die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen insgesamt. „Wir bauen nicht einfach elektrische Busse“, sagt Kiess. „Wir begleiten unsere Kunden auf dem gesamten Weg – von der ersten Machbarkeitsanalyse über die Ladeinfrastruktur bis zum laufenden Betrieb. Das ist es, was den Unterschied macht.“