José Ricardo Alouche: Die E-Mobilitätswende in Brasilien beschleunigen
Bei TRATON begreifen wir Nachhaltigkeit als eine gemeinsame Verantwortung. Impact Lines veranschaulicht, wie die Menschen in unseren Marken Nachhaltigkeit aktiv gestalten und Zielsetzungen in spürbare Ergebnisse umgesetzt werden – bereichsübergreifend und auf allen Ebenen unseres Unternehmens.
Nach fast vier Jahrzehnten in der Nutzfahrzeugbranche kommt José Ricardo Alouche immer noch mit derselben Einstellung zur Arbeit, die er 1989 als Praktikant hatte: Er will die Probleme der Kunden schnell und zuverlässig lösen und das Produkt von Tag zu Tag verbessern. Dieser kundenorientierte Ansatz war nicht nur ausschlaggebend für seinen Werdegang vom After-Sales-Auszubildenden zum Vice President of Sales, Marketing and Aftersales bei Volkswagen Truck & Bus Brazil. Diese Einstellung ist auch die Grundlage seiner heutigen Mission: Er möchte die Umstellung auf nachhaltige Mobilität in einem der größten und komplexesten Transportmärkte der Welt vorantreiben.
Sie sind seit fast vier Jahrzehnten in der Nutzfahrzeugbranche tätig. Was hat Sie ursprünglich an diesem Bereich interessiert – und was motiviert Sie heute während eines so tiefgreifenden Wandels in der Branche?
Ich habe meine Karriere 1989 im After-Sales-Bereich begonnen, genau genommen im Service-Bereich für Lkw und Busse. Das war meiner Meinung nach der beste Start für meine Karriere. Heute empfehle ich allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dringend, in diesem Bereich zu beginnen, da man dort direkt lernt, die Bedürfnisse der Kunden zu verstehen und einen Lkw schnell wieder auf die Straße zu bringen. Das hat meine gesamte Karriere geprägt.
Auch nach fast 40 Jahren bin ich noch motiviert, weil jeder Tag eine neue Herausforderung mit sich bringt. Die Arbeit in Vertrieb, Marketing und Aftersales bedeutet, Probleme zu lösen, Prozesse zu verbessern, neue Tools einzusetzen und der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein. Brasilien ist ein riesiges Land mit unterschiedlichen Kulturen, Klimazonen und Straßenverhältnissen – und unsere Marke muss überall die gleiche Qualität liefern. Diese Verantwortung motiviert mich jeden Tag aufs Neue.
Wie wirkt sich Nachhaltigkeit auf Ihre tägliche Arbeit aus?
Nachhaltigkeit ist mittlerweile in alles integriert, was wir tun. Unter anderem beziehen wir sie in unsere Händlerschulungen ein und bringen sie regelmäßig bei Kundenbesuchen zur Sprache – die Kundenbesuche sind eine wichtige Säule unserer Geschäftsstrategie. Oft führen diese Gespräche zu konkreten Projekten. Ein Kunde etwa, der 100 % Biodiesel (B100) produziert, bat uns, unsere Lkw mit seinem Kraftstoff zu betreiben. Gemeinsam mit der Technikabteilung haben wir daraufhin ein Programm entwickelt. Heute fahren einige Lkw mit B100 auf brasilianischen Straßen.
Ein anderes gutes Beispiel findet sich in São Paulo: Ein Entsorgungsunternehmen produziert Biomethan aus organischen Abfällen und wollte Müllwagen, die mit diesem Gas betrieben werden können. Wir haben die ersten Lkw mit Erdgasantrieb (Natural Gas Vehicles) vor über einem Jahrzehnt ausgeliefert. Nach nur 60 Tagen Betrieb bekundete das Unternehmen bereits Interesse an 170 weiteren Einheiten. Diese Lkw sind täglich vor den Augen der Bevölkerung im Einsatz – leise und ohne Dieselemissionen.
Die Zukunft der Mobilität wird elektrisch sein – und wir werden unsere Produkte, unsere Teams und unsere Kunden weiterhin auf den Übergang zu batterieelektrischen Fahrzeugen vorbereiten.
José Ricardo AloucheVizepräsident für Vertrieb, Marketing und KundendienstVolkswagen Truck & Bus Brasilien
Volkswagen Truck & Bus war der Vorreiter für Elektro-Lkw in Brasilien. Wie kamen die Programme e-Delivery und jetzt e-Volksbus 22L zustande?
Unsere Reise in die Elektromobilität begann früher als viele denken. Auf der Fenatran-Messe präsentierten wir 2017 einen Prototypen des e-Delivery-Lkw, um unsere Zukunftsfähigkeit zu demonstrieren. Die Resonanz war enorm – Kunden fragten sofort, wann das Fahrzeug auf den Markt kommt.
Einige Leute hielten uns für verrückt, in Brasilien Elektro-Lkw zu entwickeln. Aber wir beschlossen, trotzdem damit zu beginnen und arbeiteten mit Zulieferern und großen Flotten zusammen. Dies führte dazu, dass der Getränkehersteller Ambev Kaufabsichten für mehr als 1.000 Lkw anmeldete. 2019 ging der e-Delivery dann in Serie. Wir waren der erste OEM (Original Equipment Manufacturer), der in Brasilien Elektro-Lkw entwickelte und produzierte – und sind bis heute der Maßstab.
Unsere Strategie konzentriert sich auf den städtischen Verteilerverkehr, wo keine öffentliche Ladeinfrastruktur erforderlich ist. Wir installieren Ladegeräte direkt im Depot des Kunden. Die Lkw werden über Nacht aufgeladen und fahren tagsüber emissionsfrei und nahezu geräuschlos. Das zeigt, dass Elektromobilität nicht nur die Zukunft ist – sie ist bereits Realität.
Das Gleiche gilt für unseren e-Volksbus – einen zu 100 % elektrischen Stadtbus, der demnächst in São Paulo in Betrieb genommen wird. Bis März sollen rund 100 Einheiten im Einsatz sein. Elektrobusse tragen dazu bei, das alte Image lauter, umweltschädlicher Flotten zu ersetzen und zeigen, dass öffentlicher Nahverkehr sauber, leise und komfortabel sein kann.
Der e-Delivery ging 2019 in Serie.
Welche Maßnahmen gibt es, um den Umstieg auf Elektro-Lkw und -Busse zu erleichtern?
Die technische Zusammenarbeit innerhalb von TRATON hat zunehmend an Bedeutung gewonnen. Wir teilen Komponenten, Motoren und Batterietechnologie, um die Entwicklung zu beschleunigen und Kosten zu senken. Der e-Delivery und der e-Volksbus nutzen bereits Synergien innerhalb der Gruppe und wir integrieren Komponenten von MAN und Scania, wo es sinnvoll ist.
Einer der wichtigsten Faktoren in diesem Jahr war die Einführung von TRATON Financial Services (TFS) in Brasilien. Seit der Einführung hat sich die Finanzierungsnachfrage mehr als verdoppelt, was zeigt, wie stark Kunden einem Partner vertrauen, der sich ausschließlich auf Lkw und Busse konzentriert.
Finanzierungen sind für die Einführung von Elektrofahrzeugen unerlässlich. TFS hilft uns dabei, Betreibern maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. Außerdem bereiten wir uns darauf vor, Refrota zu nutzen – ein nationales Programm, das die Modernisierung von Stadtbusflotten unterstützt. Wird TFS dafür zugelassen, wird das den Einsatz von E-Bussen erheblich beschleunigen.
Brasilien steht vor einzigartigen Herausforderungen – etwa bei der Infrastruktur und aufgrund seiner kontinentalen Größe. Warum ist diese Nachhaltigkeitsarbeit für Sie persönlich so wichtig?
Das Klima verändert sich. Heute haben wir um neun Uhr morgens 35 Grad. Hier in Brasilien spüren wir das jeden Tag.
Wir wissen, dass Brasilien sich in einem anderen Tempo als Europa bewegen wird, vor allem, weil Investitionen in die Infrastruktur Zeit brauchen. Aber es gibt kein Zurück. Die Zukunft der Mobilität wird elektrisch sein – und wir werden unsere Produkte, unsere Teams und unsere Kunden weiterhin auf den Übergang zu batterieelektrischen Fahrzeugen vorbereiten. Ein aktuelles Beispiel war die COP30, bei der wir in Zusammenarbeit mit Heineken nachhaltige Logistiklösungen eingesetzt haben, um die Teilnehmer mit Wasser zu versorgen. Das war zwar nur eine kleine Geste, aber sie symbolisiert unser Engagement. Wir tun das für unsere Kinder und die nächste Generation – Schritt für Schritt, immer nach vorn.