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In kaum einem Nutzfahrzeugsegment ist die Verkehrswende soweit fortgeschritten wie im Busverkehr. Doch sie verläuft nicht überall im gleichen Tempo: Segment, Region und Einsatzprofil entscheiden darüber, wie schnell die Umstellung auf Elektroantrieb voranschreitet. Ein Blick auf die Marktdynamik zeigt, worauf es jetzt ankommt, und wie sich die TRATON GROUP darauf einstellt.
Wer heute in einer europäischen Stadt in den Bus steigt, fährt immer öfter elektrisch. Während die Elektrifizierung bei Pkw und Lkw noch Fahrt aufnimmt, gehört sie im Stadtbusverkehr vielerorts längst zum Alltag. „Bei der Elektromobilität weist der Bus den Weg“, sagt Carl-Johan Lööf, der bei Scania den Bereich Solution Strategy verantwortet. „Die Elektrifizierung hat hier früh begonnen, und der Markt ist reif.“ In Europa werden nach Lööfs Angaben heute bereits mehr als 60 Prozent aller neu zugelassenen Stadtbusse elektrisch angetrieben.
In Europa werden mehr als 60%
der neu zugelassenen Stadtbusse laut Lööf bereits elektrisch angetrieben.
Die TRATON GROUP bietet heute in jedem Bussegment eine elektrische Lösung an – das Ergebnis vieler Jahre Entwicklungsarbeit ihrer Marken. Die entscheidende Frage lautet damit längst nicht mehr, ob der elektrische Antrieb funktioniert, sondern wie schnell er sich in den übrigen Bussegmenten und Weltregionen durchsetzt.
Stadtbus: Die Wende ist entschieden
Im Stadtverkehr ist der Übergang praktisch beschlossen, getrieben von Regulierung und Nachfrage zugleich. Die überarbeiteten CO₂-Vorgaben der EU schreiben vor, dass bis 2030 neun von zehn neu zugelassenen Stadtbussen emissionsfrei fahren müssen. Ab 2035 müssen alle diese Vorgabe erfüllen. Doch es ist nicht nur der gesetzliche Druck, der dem Markt Rückenwind gibt. „Die Regulierung beschleunigt den Umstieg. Entscheidend ist jedoch, dass wir bei unseren Kunden eine klare Bereitschaft sehen, auf Elektromobilität zu setzen“, sagt Heinz Kiess, der bei MAN das Produktmarketing Bus verantwortet. „Der leisere Betrieb im urbanen Raum, Förderprogramme und die Erfahrung, dass die Fahrzeuge im Alltag zuverlässig laufen, haben dem Absatz von eBussen zusätzlich geholfen.“
Der leisere Betrieb im urbanen Raum, Förderprogramme und die Erfahrung, dass die Fahrzeuge im Alltag zuverlässig laufen, haben dem Absatz von eBussen zusätzlich geholfen.
Heinz KiessHead of Product Marketing BusMAN
Interne Prognosen von TRATON erwarten darum, dass der Anteil batterieelektrischer Stadtbusse in Europa bis 2030 auf rund 94 Prozent steigt. Die eigentliche Herausforderung liegt damit nicht mehr im Fahrzeug, sondern im Ausbau der Ladeinfrastruktur – und im sehr unterschiedlichen Tempo der einzelnen Länder in diesem Bereich.
Überland und Reisebus: Das nächste Wachstumsfeld
Außerhalb des Stadtverkehrs wird es technisch deutlich anspruchsvoller. Auch das Überlandsegment gilt inzwischen als elektrifizierbar, und Fahrzeuge mit niedrigem Einstieg ermöglichen elektrischen Linienverkehr zwischen kleinen Orten. Beim Reisebus hingegen rechnen die Betreiber in Cent pro Kilometer. Wann die Gesamtkosten über die Lebensdauer mit denen eines Dieselbusses gleichziehen, hängt von Fahrprofil, Energiepreisen und Förderung ab.
45% weniger Emissionen bis 2030 und 65% bis 2035
Die CO₂-Ziele der EU für Reisebusse sehen vor:
Die Richtung gibt auch in diesem Segment die Regulierung vor: Die CO₂-Ziele der EU für Reisebusse sehen 45 Prozent weniger Emissionen bis 2030 und 65 Prozent bis 2035 vor, jeweils gegenüber dem Referenzzeitraum 2019/20. Konzernprognosen zufolge könnte der Anteil batterieelektrischer Reisebusse in Europa bis 2030 bei rund 30 Prozent liegen und bis 2035, einschließlich der Überlandbusse, auf bis zu 60 Prozent steigen. Doch der Wandel könnte mehr bewirken als nur eine Reduzierung der Emissionen. Elektrische Reisebusse könnten auch neue Fahrgäste ansprechen. „Wenn die ganze Reisekette auf Dekarbonisierung setzt, können wir im Tourismus eine ganz neue Zielgruppe ansprechen“, sagt Kiess. Damit könnte der Reisebus in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Wachstumsfeld werden.
Unterschiedliche Geschwindigkeiten rund um den Globus
So klar der Trend in Europa ist – global betrachtet verläuft die Elektrifizierung alles andere als einheitlich. Beim Stadtbus zieht die Nachfrage weltweit an, aber unterschiedlich schnell: Während Europa bis 2030 nahezu vollständig elektrisch fahren dürfte, liegen die Prognosen für den Nahen Osten, die USA und Lateinamerika – je nach Land – in einem Szenario mit schnellerem Hochlauf bei bis zu 30 Prozent. Beim Reisebus ist der Abstand noch größer, und außerhalb Europas bleibt der Diesel vielerorts noch für Jahre die erste Wahl. „In Europa aktualisieren wir unser Angebot laufend – in Lateinamerika kommt die Elektrifizierung im Stadtverkehr gerade erst an“, sagt Lööf.
In Europa aktualisieren wir unser Angebot laufend – in Lateinamerika kommt die Elektrifizierung im Stadtverkehr gerade erst an.
Carl-Johan LööfHead of Solution StrategyScania
Genau darauf ist die TRATON GROUP eingestellt. Über ihre Marken hinweg bedient sie Märkte mit sehr unterschiedlichem Reifegrad – vom europäischen Stadtbus über den Stadtbus in Lateinamerika und den Schulbus in Nordamerika bis hin zu Chassis-Lösungen für lokale Karosseriebauer in Afrika und Asien. In einem zunehmend dynamischen Wettbewerbsumfeld differenziert sich der Konzern dabei weniger über den Preis als über Service, Qualität und Kundennähe. Gerade beim Reisebus, der quer durch Europa unterwegs ist, entscheidet die Verfügbarkeit von Service und Ersatzteilen über die Wirtschaftlichkeit.
Dass nicht jeder Markt schon reif für den vollelektrischen Antrieb ist, bedeutet für die TRATON GROUP keine Lücke, sondern eine Chance: Übergangslösungen sollen den Umstieg erleichtern. Ein Beispiel dafür ist der Plug-in-Hybrid-Reisebus von Scania. Er kombiniert Verbrenner und E-Antrieb und kann bis zu 70 Kilometer rein elektrisch fahren, etwa in Umweltzonen; den Rest der Strecke übernimmt der Dieselantrieb. So lässt er sich auch dort einsetzen, wo die Ladeinfrastruktur noch nicht flächendeckend ausgebaut ist.
Laden: Der eigentliche Engpass
Wenn elektrische Busse irgendwo auf der Welt an Grenzen stoßen, liegt das häufig an der Infrastruktur. Für den Stadtbus ist die nächtliche Depotladung heute Standard. Bei Strecken mit engem Takt kommen Gelegenheitsladungen an den Endhaltestellen hinzu. Für die Betreiber verschiebt sich damit die eigentliche Planungsaufgabe: weg von der Reichweite des Busses, hin zur Frage, wann, wo und wie schnell geladen wird. Damit wird der Fahrzeughersteller zunehmend zum Lösungsanbieter. Gefragt ist ein Komplettpaket, von der Routensimulation über die Auslegung der Ladepunkte bis zur Unterstützung im laufenden Betrieb.
Wir investieren in Batterietechnologie, denn batterieelektrische Fahrzeuge sind die Technologie der Zukunft – jeder Schritt senkt die Kosten und verlängert die Lebensdauer.
Birol KilincExpert Technology StrategyTRATON
Währenddessen entwickelt sich die Technik im Inneren weiter. „Wir investieren in Batterietechnologie, denn batterieelektrische Fahrzeuge sind die Technologie der Zukunft – jeder Schritt senkt die Kosten und verlängert die Lebensdauer“, sagt Birol Kilinc, der bei TRATON das Fahrzeugportfolio im Busbereich verantwortet. Weil sich die Anforderungen der Märkte laufend ändern, versteht die TRATON GROUP ihr elektrisches Portfolio nicht als abgeschlossenes Angebot, sondern als etwas, das regelmäßig optimiert wird. Die gemeinsame technologische Basis über die Marken hinweg ermöglicht es, Verbesserungen schnell und über mehrere Segmente hinweg beim Kunden ankommen zu lassen.
Elektromobilität ist im Busverkehr angekommen
Der Markt sendet ein klares Signal: Die Technik funktioniert, die Nachfrage wächst, und beim Stadtbus ist die Verkehrswende bereits entschieden. „Die eigentliche Frage ist, wie schnell die anderen Segmente und Weltregionen folgen“, sagt Kilinc. Der Blick über Segmente und Kontinente zeigt: Der Weg zur Elektromobilität ist keine gerade Linie, sondern ein Rennen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Für einen Konzern, der in jedem Segment und weltweit präsent ist, ist genau das die zentrale Aufgabe: für jeden Markt das passende Angebot bereitzuhalten.