Stanplus vernetzt über 180 private Krankenwagen in Hyderabad. Das Unternehmen plant seine Expansion in Indien.
Stanplus vernetzt über 180 private Krankenwagen in Hyderabad. Das Unternehmen plant seine Expansion in Indien.

In den täglich vor dem Verkehrskollaps stehenden Metropolen Indiens sollte man lieber nicht auf das schnelle Eintreffen eines Krankenwagens angewiesen sein. Es gibt keine zentralen Notrufnummern, Sanitäter sind oftmals schlecht ausgebildet und die Fahrzeuge nur sehr rudimentär ausgerüstet. Im Durchschnitt müssen Patienten über 45 Minuten auf einen Transport warten und etwa 30 Prozent der Kranken bzw.  Verletzten versterben auf dem Weg ins nächste Krankenhaus. Nicht so in Hyderabad. Das Start-Up ‚Stanplus‘ hat in der 7-Millionen-Einwohner-Stadt eine Flotte von 180 modernen Ambulanzen aufgebaut, bemannt mit hochqualifiziertem Personal, die ihre Patienten in weniger als 15 Minuten erreichen können. Prabhdeep Singh, einer der drei Gründer des jungen Unternehmens, erklärt das Geschäftsmodell von ‚Stanplus‘: „Wir haben eine Online-Plattform aufgebaut, mit der Patienten und Gesundheitseinrichtungen auf einen Pool privater Rettungswagen zurückgreifen können, sodass Hilfsbedürftige innerhalb kürzester Zeit zielsicher per GPS erreicht werden können.“ Dabei ist ‚Stanplus‘ weit mehr als ein UBER für Krankentransporte. „Alle unsere Partner müssen hohe Qualitätsstandards erfüllen, mit gut geschulten Sanitätern und perfekt ausgestatteten Fahrzeugen. Unser Ziel: Leben retten!“

Es ist dieser gesellschaftlich nachhaltige Ansatz, der ‚Stanplus‘ für die Teilnahme am Programm des MAN Impact Accelerators qualifiziert hat. Im Jahr 2017 rief das Tochterunternehmen der TRATON AG erstmals diese Initiative zur Förderung von Start-Ups mit sozialem Impact ins Leben. Joachim Drees, Mitglied des Vorstands der TRATON AG und Vorsitzender des Vorstands der MAN Truck & Bus AG, verbucht das Programm als vollen Erfolg: „Wir bei MAN nehmen unsere soziale Verantwortung ernst und wollen deshalb unsere Expertise im Bereich Transport und Logistik gezielt weitergeben. Mit der Gründung des MAN Impact Accelerators können wir ausgewählte Start-Ups dabei unterstützen, akute gesellschaftliche Probleme zu lösen.“ Neben ‚Stanplus‘ konnten sechs weitere innovative Jungunternehmen aus den MAN-Kernmärkten Europa, Indien und Südafrika mit ihren Geschäftsmodellen überzeugen und die Unterstützung der Mentoren in Anspruch nehmen.

Prabhdeep Singh, einer der drei Gründer von Stanplus, legt großen Wert auf den sozialen Aspekt des Geschäftsmodells.
Prabhdeep Singh, einer der drei Gründer von Stanplus, legt großen Wert auf den sozialen Aspekt des Geschäftsmodells.

Von Januar bis Juni 2018 wurden die Gründer in den Bereichen Leadership, Produktionslogistik, Qualitätsmanagement, Supply-Chain Management, Finanzen und Human Resources geschult. Eine zentrale Stellung nahmen dabei elf MAN-Mitarbeiter ein, welche die Gründer über das gesamte Programm hinweg zu Stationen in München, Paris, Mumbai, Kapstadt und San Francisco begleiteten. Die Start-Ups konnten sich überdies auch mit Vertretern von Google, UBER, Amazon, Maersk oder AirBnB austauschen. ‚Stanplus‘-Gründer Prabhdeep Singh blickt begeistert auf den MAN Impact Accelerator zurück: „Die Expertise der MAN-Mentoren war ungemein wertvoll für uns. Wir konnten unsere Prozesse deutlich optimieren und so einen weiteren Grundstein für unsere Expansion legen.“

Fabian Heidinger, Head of Digital Transformation bei MAN Truck & Bus, hat das MAN Impact Accelerator Programm aufgesetzt.
Fabian Heidinger, Head of Digital Transformation bei MAN Truck & Bus, hat das MAN Impact Accelerator Programm aufgesetzt.

Begleitet wurde die Umsetzung des MAN Impact Accelerators von Yunus Social Business, einem vom bangladeschischen Ökonom Muhamad Yunus begründeten Non-Profit Venture Fond. Fabian Heidinger, Head of Digital Transformation bei MAN Truck & Bus, wurde mit der Konzeption und Organisation des sechsmonatigen Mentoring-Programms beauftragt. „Eine der Herausforderungen bestand darin, im großen MAN-Universum exakt die Experten zu identifizieren und zu gewinnen, die passgenau die Bedürfnisse der Start-Ups abdecken konnten. Die Bereitschaft zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit war außerordentlich groß“, so Heidinger. Zudem erwuchs aus dem MAN Impact Accelerator eine Win-Win-Situation für beide Seiten: Die beteiligten Start-Ups konnten von der Expertise und den Netzwerken von MAN und Yunus Social Business profitieren, während insbesondere die MAN-Mentoren  von der Arbeitsweise der Start-Ups lernen konnten. „Davon profitieren wir als Unternehmen“, so Heidinger, „denn die agilen Arbeitsmethoden der Programm-Teilnehmer strahlen in unsere Organisation hinein und helfen uns dabei, neu und offener zu denken.“ Davon ist auch MAN-Mitarbeiterin Elena Erler, Mentorin für HR-Themen, überzeugt: „Sein eigenes Wissen weiterzugeben und dabei nachhaltig Mehrwert zu schaffen, ist wahnsinnig motivierend. Sich außerhalb von vorgegebenen Prozessen zu bewegen und mit Situationen konfrontiert zu werden, die innerhalb von MAN als selbstverständlich definiert werden, lässt einen die eigene Arbeitsweise überdenken und auch optimieren.“

Zum Abschluss des MAN Impact Accelerator Programms stellten die Teilnehmer die Ergebnisse in München vor.
Zum Abschluss des MAN Impact Accelerator Programms stellten die Teilnehmer die Ergebnisse in München vor.

Zum Abschluss des Programms wurden alle Teilnehmer zu einer Preisverleihung ins MAN Truck Forum nach München geladen. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: nach sechs Monaten haben sich die Einkünfte der beteiligten Start-Ups mehr als verdoppelt. Zudem beschäftigen die Unternehmen durchschnittlich 57 Prozent mehr Mitarbeiter und zählen rund 120 Prozent mehr Kunden. „Viele indische Frauen können jetzt dank der Bus-Sharing-Plattform ‚Commut’ sicher zur Arbeit gelangen. Hunderte indische Bauern verkaufen und liefern nun ihre Milch dank des Anbieters ‚Country Delight’ direkt an den Endverbraucher. Tausende Patienten können dank vernetzter Krankenwagen von ‚Stanplus’ inzwischen viel besser medizinisch versorgt werden“, resümiert Yunus-Programmmanager Daniel Nowack. Ein Ergebnis, das Joachim Drees in seinem Entschluss bekräftigt: „Wir führen das Programm fort.“ Im Herbst 2018 startet das wegweisende Projekt in seine zweite Runde.

 

Teilnehmer des MAN Impact Accelerators