Dr. Frederik Zohm (MAN)
Dr. Frederik Zohm (MAN)

Die Zusammenarbeit zwischen MAN und Scania wird kontinuierlich enger, stets werden neue Synergiepotentiale ausgelotet. Die Entwicklungsvorstände, Dr. Frederik Zohm (MAN) und Claes Erixon (Scania), haben Ende Juni eine Vereinbarung unterzeichnet, welche die bilaterale Kooperation in den Bereichen Test und Versuch zwischen den beiden Marken regelt.

„Es geht, ganz grundsätzlich, um die Frage, wie wir in Zukunft zusammenarbeiten wollen“, erklärt Claes Erixon kurz nach der Unterzeichnung des Dokuments. „Mit diesem Vertrag werden die Grundlagen unserer Kooperation definiert“, ergänzt Zohm und bezieht sich dabei auf die Zusammenarbeit bei verschiedenen Test- und Prüfverfahren. So regelt die Vereinbarung etwa, welche Marke zu welchen Bedingungen die Testrecken des anderen Partners nutzen kann.

Aber Moment – wozu das? Hat nicht jede Marke ihre eigenen Einrichtungen? Warum ist es notwendig und sogar sinnvoll, bestimmte Tests mehrere Tausend Kilometer vom eigenen Standort entfernt durchzuführen? Es mache Sinn, in einigen Bereichen die Möglichkeiten des jeweils anderen Partners zu nutzen. So hat die MAN Testrecke in Karlsfeld schlicht klimatische Vorteile. „Schweden hat einen sehr langen Winter“, sagt Peter Bournobuke, Akustik-Spezialist bei Scania. Um mehr Messungen durchführen zu können, teste man die Scania Trucks in München, wo die Teststrecke auch beheizt werden kann. Mehr noch: „Jeder Markt und jedes Land haben unterschiedliche Gesetze und Rahmenbedingungen, die es zu erfüllen gilt.“ Und jede Marke habe in Nuancen andere Messmethoden und Anforderungen.

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Claes Erixon (Scania)
Claes Erixon (Scania)

Mit Unterzeichnung der Vereinbarung gibt es für diese Art der Zusammenarbeit einen rechtlich verbindlichen Rahmen. Die Frage, wie unterschiedliche Services aufgeteilt werden – und was am Ende des Tages dafür in Rechnung gestellt werden kann – ist nun geklärt. Auch steuerliche Fragestellungen seien in das Vertragswerk eingeflossen – schließlich haben Schweden und Deutschland unterschiedliche Steuer- und Finanzsysteme.

 „Wir können uns künftig viele Verhandlungen und Absprachen sparen, die in der Vergangenheit Zeit und Energie gekostet haben“, sagt Zohm. Ein standardisierter und mit den Bereichen Finanz, Steuer und Recht abgestimmter Rahmen mache die gegenseitige Nutzung vorhandener Ressourcen einfacher und schneller. Die gemeinsamen Ressourcen zu nutzen sei auch ein entscheidender Vorteil, um den Wettbewerbern außerhalb der TRATON AG die berühmte Nasenlänge voraus zu sein. „Das gibt uns eine Stärke, die niemand sonst in unserem Markt hat“, sagt Zohm. „Unsere europäischen Konkurrenten kämpfen meist alleine.“

„Wir haben inzwischen eine Reihe Hindernisse aus dem Weg geräumt“, ergänzt Erixon. Er sieht die Kooperation nun auf einem neuen Level: „Wir haben auch in der Vergangenheit schon auf einer vertrauensvollen Basis zusammengearbeitet." Als Ergänzung habe man nun ein Regelwerk formuliert und unterzeichnet. „Wir haben Sicherheit für beide, uns und die MAN geschaffen. Und das ist eine Win-Win-Situation.“ Besonders die Entwickler, die täglich operativ zusammenarbeiten, werden zukünftig davon profitieren.