Man nehme Oberleitungen wie bei der Bahn, installiere das Ganze über dem rechten Fahrstreifen einer Autobahn – fertig ist der E-Highway. Die Brückentechnologie macht Elektromobilität schon heute im Güterverkehr auf der Straße nutzbar.

Und so funktioniert es konkret: Ein Lkw fährt auf den rechten Fahrstreifen, direkt unter die Oberleitung. Ein Sensor im Fahrzeug erkennt die Stromtrasse und gibt ein Signal. Daraufhin drückt der Fahrer einen Knopf – und ein Stromabnehmer fährt vom Kabinendach empor, um sich mit der Oberleitung zu verbinden. Innerhalb von Sekunden wird die Kabine fast vollständig geräuschlos: Der Verbrennungsmotor hat gestoppt, dafür treibt der Elektromotor nun den Lkw an. Ein Zukunftsszenario? Nein, die Realität.

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Sauber, sicher, effizient

Noch vor wenigen Jahren war der Gedanke, dass elektrisch betriebene Langstrecken-Lkw und Pkw auf gewöhnlichen Autobahnen koexistieren könnten, eine kühne Vision. Heute laufen jedoch mehrere Projekte in Europa, um diese Technologie zu testen und zu bewerten.

Eine dieser Teststrecken befindet sich auf der A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt. Auf insgesamt zehn Kilometern soll bis 2022 erforscht werden, ob derartige Oberleitungs-Lkw eine sinnvolle Alternative für den Güterverkehr auf der Straße sein können. Das Bundesumweltministerium unterstützt den Feldversuch namens Elisa – die Kurzform von elektrifizierter, innovativer Schwerverkehr auf Autobahnen – mit knapp 15 Millionen Euro. Zudem gibt es zwei weitere Teststrecken in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein bzw. sind in Planung.

Scania hat für die Feldversuche in Deutschland 15 Hybrid-Lkw R 450 zur Verfügung gestellt.
Scania hat für die Feldversuche in Deutschland 15 Hybrid-Lkw R 450 zur Verfügung gestellt.

Auch Regierungen und Behörden in Italien und Schweden treiben eigene Forschungsprojekte voran. Langfristiges Ziel ist der Aufbau einer Elektrifizierungsinfrastruktur, die bestimmte, vielbefahrene Strecken zwischen Logistik-Hubs oder sogar Teile des europäischen Autobahnnetzes abdecken könnte.  Das deutsche Umweltministeriums geht davon aus, dass die Elektrifizierung des Schwerverkehrs für die Logistikbranche in naher Zukunft immer attraktiver sein könnte.

Innerhalb der Branche und ist Scania federführend in dem Bereich. Für die Feldversuche liefert die Marke insgesamt 15 Hybrid-Lkw R 450, die Stromabnehmer auf dem Dach hat Siemens entwickelt. Neben der Lieferung von Lkw übernimmt Scania auch die Fahrzeugwartung und die Datenerfassung aus den Tests.

Scania-Entwicklungsvorstand Claes Erixon betrachtet Straßen mit Oberleitungen als eine von mehreren vielversprechenden Technologien, die den Güterverkehr auf Straßen zu einer nachhaltigen Zukunft verhelfen können. Das Unternehmen, wie auch die Schwestermarken MAN Truck & Bus,  verfolgt auch andere, unmittelbarere Wege, um Verkehr so grün wie möglich zu gestalten.

"Die Elektrifizierung von Fahrzeugen entwickelt sich rasant. Mit den zahlreichen Umwelt- und möglichen Kostenvorteilen wird sie eine wichtige Rolle beim Übergang zu einem fossilienfreien Verkehrssystem spielen", sagt er. Der E-Highway könnte eine interessante Option sein, wenn er europaweit eingesetzt wird, was aber eine EU-weite Infrastruktur voraussetzt.