Wie die Digitalmarke RIO die Logistikbranche optimieren will

Text: Susanne Frank

Über den Erfolg eines Industrieunternehmens entscheidet immer stärker auch die Frage von Transport und Logistik. Wenn irgendwo auf einer Landstraße ein vollbeladener Lkw eine Panne hat, muss womöglich bald an einer anderen Stelle ein Produktionsband gestoppt werden. Die Teile im Laderaum kommen dort nicht mehr rechtzeitig an, in der Fabrik wusste jedoch niemand von der Verzögerung. Die TRATON GROUP, unter deren Dach die Marken MAN und Scania arbeiten, will solche Situationen verhindern. Sie produziert deshalb nicht nur Lkw und Omnibusse. Sie kümmert sich auch darum, die Transporte und Touren mit solchen Fahrzeugen möglichst reibungslos zu gestalten.

Hunderte Transportfahrten täglich von einem Ort aus verfolgen

So vernetzt TRATONs Digitalmarke RIO sämtliche Glieder einer Lieferkette. Lieferant, Spedition, Fabrik oder Händler sind auf dieser Logistik-Plattform über die Cloud verbunden. Alle Beteiligten sind so in der gleichen digitalen Umgebung unterwegs. Das bietet ihnen Transparenz über die gesamte Kette hinweg.

Das in München ansässige Team stellt sich auf anspruchsvolle Aufgaben ein. Es gibt, nicht nur in Europa, zahlreiche Industrieunternehmen mit jeweils hunderten Zulieferern und eigenen Produktionsstätten. Tausende Transportfahrten sind täglich zwischen solchen Standorten nötig. RIO will die dabei eingesetzten Strukturen digitalisieren und mit einander vernetzen. Dazu sollen die unzähligen Lkw-Transporte eines Unternehmens von einer zentralen Stelle aus überwacht, gelenkt und optimiert werden können. Das Interesse an dem Service ist groß: „Wir gewinnen jeden Monat 25 Prozent neue Kunden hinzu“, berichtet Jan Kaumanns, der CEO von RIO.

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Die RIO Box kann in Lkw aller Marken nachgerüstet werden. Mit Hilfe der Flottenmanagement (FMS)-Schnittstelle lassen sich dann die Telematik-Dienste von RIO nutzen.

Portrait Jan Kaumanns
„Wir gewinnen jeden Monat 25 Prozent neue Kunden hinzu.“
Jan Kaumanns
CEO von RIO

Transparenz für jede einzelne Sendung auf der Ladefläche

Zwar sind bereits heute viele Transportunternehmen auf irgendeine Art vernetzt. Doch die einzelnen Glieder der Lieferkette stehen kaum miteinander in Kontakt. „Es gibt auf dem Markt zahllose Insellösungen für die Transportlogistik. Die wollen wir zusammenbringen und damit Transparenz für jede einzelne Sendung bieten“, sagt Karsten Kampowsky, Head of Product Management von RIO. Für die Auftraggeber birgt das ebenso Effizienzgewinne wie für Spediteure und Zulieferer. Alle Beteiligten könnten also von einer gemeinsamen Plattform profitieren.

Künftig soll zum Beispiel der Lkw automatisch Meldung an den Abnehmer seiner Fracht geben, wenn sich die Fahrt verzögert. Das klingt einfach – ist in großen Dimensionen aber eine bislang unerreichte Aufgabe. „Wir liefern zum ersten Mal eine komplette Logistik-Supply Chain, und zwar End-to-End“ sagt Kampowsky. Das bedeutet: Der Auftraggeber für eine Transportleistung weiß jederzeit, wo ein bestimmtes Produkt sich befindet und kann entsprechend reagieren. Die Transparenz gilt für jedes Einzelteil im Laderaum, über alle Grenzen hinweg und egal, welche Sprache der Lkw-Fahrer spricht. Möglich machen diese Transparenz digitale Prozesse, das Kerngeschäft von RIO.

Ein offenes System über alle Marken hinweg

Die Digitalplattform wird seit drei Jahren entwickelt. RIO bietet damit digitale Dienstleistungen über alle Marken, Konzerne und Fahrzeuge hinweg. Kein Kunde ist dafür an bestimmte Hersteller gebunden. Die RIO-Dienste arbeiten in einem offenen System, sie vereinen sämtliche technischen Voraussetzungen unter einem Dach. Das entspricht der Realität im Transportgewerbe: Spediteure betreiben in der Regel Trucks von mehreren Produzenten, damit muss auch ihre Software klarkommen. Große Konzerne beschäftigten oft viele Dutzend Transportunternehmen in ihrer Logistikkette. Diese wiederum verfügen über unterschiedliche Fuhrparks und eigene Software-Anwendungen. Diese Vielfalt muss nun integriert werden. Nur so kann die RIO-Software ein weit verzweigtes Netzwerk aus Lieferanten, Fabriken, Importeuren oder Händlern verbinden.

Wenn erst Transparenz herrscht, können die Transporte auch im Detail optimal gesteuert und perfektioniert werden. Ein Effekt: die Auslastung der Lkw wird höher. Planer und Disponenten wissen schließlich ganz genau, wie es unter der Plane aussieht und können auch kurzfristig zusätzliche Ladung in Auftrag geben. Die Lkw werden dazu automatisch umgesteuert. Weniger Leerfahrten, kürzere Standzeiten der Fahrzeuge: Das freut nicht nur die beteiligten Unternehmen. Es trägt auch zu weniger Emissionen und damit Umweltbelastungen bei.